Als ich mich vor 12 Jahren das erste Mal als Fotografin nebenberuflich selbstständig gemacht habe, hatte ich einen Gedanken, den sich sicherlich viele schon mal gemacht haben.
Fotografin sein ist die beste Ausrede, um nicht mehr fotografiert zu werden.
Ich würde immer diejenige sein, die hinter der Kamera steht. Es war keine wirklich bewusste Entscheidung — eher eine stille Hoffnung, die, wie ich heute weiß, auf der Angst basierte, gesehen zu werden. Aus der Überzeugung, dass ich auf Fotos nie so aussehe, wie ich mich in meinen besten Momenten fühle. Aus dem Glaubenssatz, der sich bei vielen von uns irgendwann festgesetzt hat: Ich bin einfach nicht fotogen.
Und wenn wir ehrlich sind, liegt dieser Glaubenssatz ja noch viel tiefer. Dass wir nicht „normschön“ sind. Beruhend auf unschönen Erfahrungen, Mobbing in der Schule, dem Aufwachsen mit , naja, Millennial-Popkultur.
Der Moment, in dem ich keine Wahl mehr hatte
Irgendwann kam der Punkt, an dem mein Business wachsen sollte — professioneller, sichtbarer. Und irgendwann kommt in diesem Prozess unweigerlich der Moment, in dem man merkt: Dafür brauche ich Fotos von mir.
Diesen Gedanken habe ich einige Zeit mit mir herumgetragen, immer wieder aufgeschoben, bis ich irgendwann allen Mut zusammenhatte und ein Fotoshooting gebucht habe. Ich habe mir sogar extra dafür noch ein Tattoo stechen lassen, um einen Grund mehr zu haben, warum ich jetzt fotografiert werden muss. Und mir ständig gesagt: Das brauchst du jetzt. Aber auch: Na ja, wenn’s nichts wird, musst du sie ja nicht zeigen.
Mit dieser Mischung aus „Ich mache das jetzt einfach“ und dem leisen Wunsch, dass vielleicht doch noch etwas dazwischenkommt, bin ich zum Vorgespräch gegangen.
Was dann passiert ist
An diesem Tag habe ich mich mit meiner damaligen Fotografin ganz entspannt bei einem Kaffee unterhalten. Wir haben uns sofort verstanden und direkt verquatscht. Das hat meine Nervosität genommen — und die Hoffnung aufkommen lassen, dass es vielleicht doch nicht so schlimm werden würde.
Am Tag des Fotoshootings selber ist viel passiert, aber vor allem: nichts Schlimmes.
Weder ist die Kameralinse bei meinem Anblick zerbrochen, noch bin ich vor Scham im Erdboden versunken. Es war nicht nur „nicht so schlimm“ — es hat sogar Spaß gemacht. Wir haben gelacht, waren kreativ und haben uns ausprobiert. Und je länger wir dabei waren, umso mutiger und entspannter wurde ich.
Als ich die Fotos zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich einerseits nicht glauben, dass ich das bin — und habe mich irgendwie trotzdem erkannt. Da war sogar ein Moment, in dem ich gedacht habe: Gar nicht so hässlich, wie ich immer denke.
Das klingt vielleicht erstmal klein. Aber wenn du weißt, wie laut diese innere Kritikerin meistens ist, weißt du, dass dieser Moment alles andere als klein war.
Runde zwei — und ein anderes Ich
Ein paar Jahre später habe ich mich erneut fotografieren lassen. Diesmal nicht aus einem „Müssen“ heraus, sondern aus Neugier.
Und da war ich schon eine andere. Gefasster. Selbstsicherer. Nicht, weil ich geübt hatte, in die Kamera zu schauen — sondern weil ich in der Zwischenzeit ein bisschen mehr zu mir gefunden hatte. Und dieses Fotoshooting hat das noch einmal gespiegelt und bestätigt.
Nun sind wieder ein paar Jahre vergangen und die nächste Entwicklungsstufe ist da (yay, hauptberufliche Selbstständigkeit!). Und zum ersten Mal freue ich mich wirklich auf das nächste Fotoshooting. Diesmal gehe ich sogar einen Schritt weiter und lasse mich auf erste Videos ein — nicht trotz der Hürde, sondern weil ich weiß, was auf der anderen Seite auf mich wartet. Die innere Kritikerin ist natürlich trotzdem noch da. Aber sie ist viel leiser. Und manchmal sogar ein bisschen mutiger.
Was das mit meiner Arbeit zu tun hat
Diese Erfahrung bildet den Kern dessen, was ich mit waldfrei tue.
Nicht einfach nur professionelle Fotos liefern. Sondern den Raum schaffen, in dem beides passieren kann: authentisches Bildmaterial, das dein Business nach außen trägt — und ein Bild von dir selbst, das ein kleines bisschen wohlwollender ist als das, mit dem du reingekommen bist.
Ich kenne beide Seiten. Die Seite vor dem Fotoshooting, mit all den Zweifeln und der Überzeugung, dass man das gar nicht kann. Aber eben auch die Seite danach, wenn man die Fotos öffnet und merkt: Das bin ich(?). Und das ist okay. Ich glaube, das ist mehr als okay.
Genau deshalb arbeite ich so, wie ich arbeite — mit viel Zeit, echten Gesprächen, Geduld und einem langen Atem. Weil ich glaube, dass der Weg vor die Kamera kein Sprung sein muss, sondern ein begleiteter Schritt.
Und weil ich weiß, dass dieser Schritt sich lohnt.
Ich bin bereit, wenn du es bist.
Deine Laura.
Wenn du spürst, dass es Zeit wird, sag gerne einmal unverbindlich „Hallo“. Ich setz’ schon mal den Kaffee auf!
Titelbild: ©Naima Maleika, www.naimamaleika.com


